Ritual, Arbeit und Symbol

Tempelarbeit

Regelmässiger und traditioneller Höhepunkt des Logenlebens stellt die Ritualarbeit dar, die etwa einmal monatlich stattfindet.  Sie ist das Zentralereignis einer jeden Freimaurerloge. Ohne ihre gradspezifischen Rituale ist Freimaurerei nicht denkbar.

Die Rituale können nicht einfach verstandesmässig erlernt werden, sondern müssen letztlich im Innersten der Seele erlebt werden. Es ist wie bei einem Musikstück: wir können die Partitur zwar lesen, haben die Musik aber noch nie gehört und erlebt.

 

Rituale finden im Tempel statt. Diese Bezeichnung stammt in tradierter Weise vom königlichen Bauwerk des Salomonischen Tempels. Später priesen die mittelalterlichen Baubruderschaften, welche die Dome des Abendlandes errichteten, jenen Tempel Salomos als ihr nie erreichbares höchstes Ideal. Er stellt das Abbild des Universums dar und entspricht symbolisch dem Tempel der Humanität.

Schutz und Abgeschiedenheit des Tempels sind keineswegs Selbstzweck, keine Flucht aus der Welt, sondern gleichsam Rückzug auf Zeit, um dem Einzelnen Gelegenheit zu geben, die Beweggründe seines Handelns an den durch die Mitgliedschaft in der Freimaurerei postulierten ethischen Normen für sich selber beständig zu überprüfen.

 

Einer Tempelarbeit folgt in aller Regel ein Brudermahl im Refektorium. Auch das gesellige hat einen wichtigen Stellenwert in der Freimaurerei. Beim gemeinsamen Mahl (Agape), entstehen oftmals schöne und wertvolle Gespräche.

Symbole, insofern sie echte und nicht einfach Zeichen sind, sind immer vieldeutig. Die den Bauhütten entstammenden Symbole haben aber weitgehend auch archaische Dimensionen. Sie existieren in ähnlichen Deutungsweisen in fast allen Kulturen.

Symbole der Freimaurer

Ein Hauptsymbol ist der Salomonische Tempel, der zu Ehren Gottes errichtet wurde. Er steht als Symbol für menschliche Gemeinschaft, wo jeder einzelne Mensch als Stein gesehen wird und nur mit seinen Mitmenschen (den anderen Steinen) ein kunstvolles Bauwerk darstellt. Die Zusammenkünfte der Logen nennen die Freimaurer deshalb auch Tempelarbeit, weil dort am Tempel der Humanität, gebaut wird. Dieser Bau vereint die Brüder - und darüber hinaus alle Menschen  - in ihrem Streben nach geistiger Vollendung.

 

Der Zirkel steht für den Kreis, das Unendliche, das nie endende Alpha und Omega, das immerwährende geistig-spirituelle. Symbol der Sonne und somit des Lichtes (Sonnenkreis). <<Im Kreise sind wir alle gleich, man erkennt weder Anfang noch Ende in ihm, und das ist das vollkommen Gestaltete.>>

 

Mit dem Winkelmass werden die Steine in das Bauwerk eingefügt. Bei den Freimaurern steht das Winkelmass für Gewissenhaftigkeit und Treue zu Recht und Gesetz. 

So symbolisiert der 24-zöllige Massstab für die Freimaurer die Zeit. Er erinnert daran, die Zeit sinnvoll einzuteilen und einen Tag bewusst zu planen und auch zu erleben. Richtschnur für richtiges Handeln zu jeder Tagesstunde.

Auch das Lot oder Senkblei bedeutet Zeit. In diesem Fall Zeit nicht nur in der physischen Länge zu sehen, sondern auch als spirituelle Tiefe zu begreifen.

Das Dreieck hat viele Deutungsweisen. Glaube, Liebe, Hoffnung. Denken, Fühlen, Wollen. Weisheit, Stärke und Schönheit. Natürlich auch alle Trinitätsprinzipien.

Zwei übereinander gelegte gleichseitige Dreiecke bilden das hermetische Hexagramm:

Das Obere sei wie das Untere – und das Untere wie das Obere.

Und entstehen mögen die Wunder des Einen!

Die Setzwaage symbolisiert, dass alle Logenbrüder auf gleicher Augenhöhe sind und sich so auch begegnen. Wir kennen keine Standesunterschiede.

Die verschlungenen Hände in der Bruderkette symbolisieren die weltweite brüderliche Verbundenheit.